Wohnmobil-Saison startet: Die wichtigsten Checks vor der ersten Fahrt
Ende März, erster wirklich warmer Tag. Das Wohnmobil steht seit November unter der Plane im Hof, und irgendwie juckt es in den Fingern. Ein paar Tage später die erste Tour geplant, irgendwo an die Mosel oder in den Odenwald. Klingt easy, ist aber selten so einfach, wie man sich das ausmalt.
Ein Wohnmobil, das ein halbes Jahr gestanden hat, ist nicht einfach nur ein Auto, das ein halbes Jahr gestanden hat. Da hängt Technik drin, die normale Autos nicht haben. Wasserleitungen, Gasanlage, Aufbaubatterie, Dachdichtungen. Und wenn eine Kleinigkeit davon nicht passt, steht man im Zweifel mitten in Frankreich ohne funktionierenden Kühlschrank oder, noch ärgerlicher, mit Wasserschaden im Aufbau.
Die gute Nachricht: Die meisten Checks kann man selbst machen. Man braucht einen Nachmittag, keine Werkstatt und kein Fachwissen.
Reifen zuerst
Das ist der Punkt, an dem die meisten Wohnmobilfahrer schludern. Reifen an Wohnmobilen altern anders als an normalen PKWs. Die stehen den Großteil des Jahres auf derselben Stelle, bei Hitze und Kälte, und der Gummi wird spröde. Risse, Verhärtungen, teilweise auch Verformungen durch den Standdruck.
Ein Blick auf die DOT-Nummer an der Flanke verrät das Alter. Eine vierstellige Zahl, zum Beispiel 2219 bedeutet KW 22 im Jahr 2019. Wohnmobilreifen sollten nicht älter als sechs Jahre sein, egal wie gut das Profil noch aussieht. Bei sieben Jahren plus wird es gefährlich, vor allem auf der Autobahn und bei Sommerhitze.
Luftdruck ist das andere Thema. Wohnmobile fahren oft mit höheren Drücken als der Reifen normalerweise aushält. Der Druck steht entweder am Türholm oder im Serviceheft. Wichtig: vor der Abfahrt prüfen, bei kalten Reifen, nicht nach 50 Kilometern Autobahn.
Dachdichtungen und Fenster
Wenn es irgendwo im Aufbau reinregnet, merkt man das meistens zu spät. Der typische Fall: kleine undichte Stelle an einer Dachnaht, Wasser läuft zwischen den Schichten, der Holzrahmen fängt an zu faulen. Monatelang merkt man nichts, irgendwann gibt es Stockflecken oder weiche Stellen im Boden. Sanierung kostet dann schnell vierstellig.
Einmal im Jahr aufs Dach steigen und alle Dichtungen prüfen ist Pflicht. Rissige Stellen an den Nähten, abgelöste Dichtmasse an den Dachfenstern oder der Satellitenschüssel. Wer sich nicht traut, fragt in der Werkstatt nach einer Feuchtigkeitsmessung. Kostet meist zwischen 50 und 100 Euro und gibt Sicherheit für ein ganzes Jahr.
Genauso wichtig: die Fensterdichtungen. Die werden mit der Zeit hart und reißen. Mit ein bisschen Gummipflege hält man die Jahre länger fit, wenn man es denn regelmäßig macht.
Gas, Wasser, Elektrik
Die Gasanlage muss alle zwei Jahre geprüft werden. Das ist in Deutschland Pflicht für den TÜV. Bei älteren Anlagen kann sich am Druckminderer Wasser absetzen, die Leitungen können porös werden. Nicht zu unterschätzen, weil Gas am Ende immer noch ein ziemlich ernstes Thema ist.
Die Wasseranlage erstmal richtig durchspülen. Nach dem Winter steht noch Frostschutz oder abgestandenes Wasser drin. Tank einmal komplett entleeren, einmal mit frischem Wasser durchlaufen lassen, dann eine Tankdesinfektion mit einem handelsüblichen Mittel. Danach nochmal spülen. Klingt umständlich, dauert aber nur eine halbe Stunde.
Bei der Elektrik ist die Aufbaubatterie der Knackpunkt. Wenn die über den Winter nicht am Ladegerät hing, ist sie mit hoher Wahrscheinlichkeit tiefentladen. Dann lädt sie zwar noch, aber die Kapazität ist teilweise dauerhaft hin. Ein Batterietester für 15 Euro aus dem Zubehörhandel zeigt den echten Zustand. Wenn sie schwächelt, lieber vor der Tour tauschen als unterwegs.
Kühlschrank checken, Beleuchtung, Wasserpumpe, Heizung. Am besten alles mal zwanzig Minuten laufen lassen und schauen, ob was ungewöhnlich klingt oder riecht.
Bremsen und Fahrwerk
Bremsen nach Winterstandzeit neigen zu Rost auf den Scheiben. Das erste Mal bremsen rumpelt und kratzt, ist aber meist nach ein paar hundert Metern weg, wenn sich die Scheiben freigebremst haben. Wenn der Rost tiefer sitzt oder die Beläge festgebacken sind, merkt man das sofort.
Einmal unterm Auto durchkrabbeln lohnt sich. Roststellen am Rahmen, eventuelle Leckagen an Bremsleitungen oder Dämpfern, lose Teile. Wer sein Wohnmobil nur einmal im Jahr unter die Lupe nimmt, sollte diesen Moment ernst nehmen.
Der Innenraum
Über den Winter kann sich Feuchtigkeit ansammeln. Polster durchlüften, Matratzen hochstellen, Stauräume öffnen und checken, ob irgendwo Stockflecken entstanden sind. Der Geruch verrät eigentlich alles. Wenn es muffig riecht, ist irgendwo Feuchtigkeit, und man sollte suchen, bis man den Grund gefunden hat.
Erste-Hilfe-Kasten auf Verfallsdatum prüfen. Feuerlöscher auch, der hat ein Ablaufdatum auf dem Aufkleber. Warndreieck, Warnwesten, Reserverad. Alles, was auf einer Autobahn fehlen würde, wenn es drauf ankommt.
Beim gebrauchten Wohnmobil: besser vorher prüfen lassen
Wer diesen Frühling überlegt, ein gebrauchtes Wohnmobil zu kaufen, hat einen anderen Schwierigkeitsgrad. Private Verkäufer zeigen selten alles, und wichtige Mängel sind für Laien oft gar nicht erkennbar. Ein falsch reparierter Wasserschaden kann zwei Jahre später zum Totalschaden führen, weil der Holzaufbau von innen wegfault, während außen alles noch frisch glänzt.
Bei Fahrzeugen ab einer gewissen Preisklasse lohnt es sich, einen unabhängigen Kfz-Sachverständigen eine Bewertung machen zu lassen, bevor man den Vertrag unterschreibt. Sachverständigenbüros wie Mohr in Hanhofen bei Speyer führen solche Kaufbegutachtungen regelmäßig durch, gerade bei Reisemobilen und Wohnwagen mit ein bisschen Laufleistung. Die prüfen den Aufbau auf Feuchtigkeit, den technischen Zustand, dokumentierte Vorschäden und ordnen das Ganze preislich ein.
Kostet zwischen 200 und 400 Euro, abhängig vom Umfang. Klingt nach viel, ist aber wenig gegen die 5.000 bis 15.000 Euro, die man verlieren kann, wenn man ein Problemfahrzeug übersieht.
Und dann?
Wer die Basics abgearbeitet hat, kann entspannt in die Saison starten. Die meisten Pannen auf Wohnmobilreisen gehen auf Sachen zurück, die man vor der Abfahrt hätte sehen können, wenn man sich die Zeit genommen hätte. Ein halber Nachmittag im März oder April spart drei Wochen Ärger im Sommer.
Persönlich kenn ich mindestens drei Leute, die schon mal mit zehn Jahre alten Reifen durch Italien gefahren sind und dann am Stück über eine Woche auf Ersatzteile gewartet haben. Muss man nicht haben. Die Checkliste passt auf eine A4-Seite, und wenn man sie einmal abarbeitet, kann die Saison kommen.