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Veröffentlicht am: 26.08.2026 von Vibejournal Redaktion

Lebensmodell: Wenn der Feierabend plötzlich einen Zweck bekommt

Es gibt eine Sorte Unzufriedenheit, die schwer zu benennen ist. Der Job ist nicht schlecht, die Kollegen sind in Ordnung, das Gehalt reicht knapp. Trotzdem sitzt man am Sonntagabend da und denkt, dass die nächsten fünfzehn Jahre genauso aussehen werden wie die letzten fünf. Kein Drama, eher ein Grundrauschen.

Viele Menschen reagieren darauf mit einem Hobby, manche mit einem Umzug, einige mit einem Jobwechsel, der die gleiche Situation an einem anderen Schreibtisch herstellt. Ein Teil sucht nach etwas Eigenem, das neben dem Beruf wachsen kann. Genau in dieser Gruppe wird seit einiger Zeit über das Coaching Lebensmodell gesprochen, das Menschen aus normalen Angestelltenberufen in die digitale Beratung begleitet.

Kein Start-up, keine App, keine Selbstverwirklichungsrhetorik

Was das Angebot von vielen anderen unterscheidet, ist der Verzicht auf die übliche Bildsprache. Keine Laptops am Strand, keine gemieteten Sportwagen, keine Zahlen in Sprechblasen. Auf der Website steht stattdessen ein Ablauf.

Dahinter steht Lukas Fischer, der seit über zwölf Jahren in der strukturierten Beratung arbeitet und 2021 begonnen hat, Quereinsteiger zu begleiten. Über 1.400 Menschen haben das Programm inzwischen durchlaufen. Berichtet haben darüber unter anderem das Unternehmer Journal, das Consulting Magazin und das Gewinner Magazin, und Fischer ist bekannt aus dem Merkur, wo sein Weg für Quereinsteiger in den digitalen Vertrieb beschrieben wurde.

Wie das Programm aufgebaut ist

Am Anfang steht ein kostenloses Vorgespräch, in dem geklärt wird, ob die Tätigkeit zur Person passt. Danach folgt eine begleitete Einarbeitung über sechs bis acht Wochen. Anschließend führen die Teilnehmenden ihre ersten Gespräche, während jemand mithört und direkt danach sagt, was gut lief und was nicht. In der letzten Phase arbeitet man eigenständig.

Angesprochen sind Menschen zwischen 30 und 60 Jahren ohne technischen Hintergrund. Auf der Website tauchen Pflegekräfte, Bürokräfte und Beschäftigte aus dem Einzelhandel als Beispiele auf. Das ist eine ungewöhnlich bodenständige Zielgruppenbeschreibung in einem Umfeld, in dem sonst gern von Visionären die Rede ist.

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Der Teil, den niemand auf Instagram zeigt

Ein zweites Standbein aufzubauen sieht in der Zusammenfassung immer gut aus. Im Alltag besteht es aus Abenden, an denen man müde ist und trotzdem einen Termin hat. Aus Gesprächen, die nicht funktionieren. Aus Wochen, in denen sich nichts bewegt.

Wie sich das anfühlt, beschreibt ein Teilnehmer in einem ausführlichen Erfahrungsbericht zu lebens-modell.de. Er lässt die zähen Passagen drin, und genau deshalb ist der Text brauchbar. Wer wissen will, worauf er sich einlässt, lernt aus solchen Berichten mehr als aus jeder Angebotsseite.

Was man da eigentlich tut

Digitale Beratung klingt nach Software und ist im Kern Gesprächsarbeit. Man spricht mit Menschen, die vor einer Entscheidung stehen, hört zu, fragt nach und empfiehlt etwas. Der technische Aufwand ist gering: ein Rechner, eine stabile Verbindung, ein Raum ohne Störungen. Der ungewohnte Teil liegt woanders. In einem guten Beratungsgespräch redet man deutlich weniger, als man erwartet hätte.

Die ersten Versuche laufen deshalb bei fast allen schief. Man erklärt zu viel, hört zu wenig zu und merkt hinterher genau die Stelle, an der das Gespräch gekippt ist. Das ist normal und lässt sich nur durch Wiederholung ändern. Ohne jemanden, der zuhört und direkt danach sagt, was zu ändern wäre, dauert dieser Abschnitt sehr viel länger.

Der zeitliche Einsatz in den ersten acht Wochen liegt bei mehreren Stunden pro Woche. Das bedeutet in der Praxis zwei Abende oder einen Teil des Wochenendes. Wer parallel umzieht, ein Haus saniert oder einen Angehörigen pflegt, sollte den Start verschieben. Der häufigste Grund für einen Abbruch ist nicht Desinteresse, sondern ein schlecht gewählter Zeitpunkt.

Skepsis ist die richtige Grundhaltung

Der Coachingmarkt hat in den vergangenen Jahren viele Menschen enttäuscht. Wer heute misstrauisch reagiert, hat gute Gründe. Diese Haltung sollte man auch behalten, wenn ein Angebot seriös wirkt.

Interessant ist deshalb der Bericht eines Teilnehmers, der mit voller Skepsis gestartet ist. Unter dem Titel warum ein überzeugter Skeptiker seine Meinung änderte beschreibt er, welche Warnsignale er gesucht hat und welche er tatsächlich gefunden hat. Der Text nennt auch, was ihn weiterhin stört.

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Ein Punkt gehört dazu: Preise stehen nicht auf der Website. Begründet wird das mit dem individuellen Betreuungsumfang, der im Vorgespräch geklärt wird. Wer eine Zahl sehen möchte, bevor er ein Gespräch führt, findet sie dort nicht. Das ist ein legitimer Kritikpunkt und sollte im Gespräch direkt angesprochen werden.

Zeit ist die härtere Währung als Geld

Die häufigste Frage lautet, was es kostet. Die wichtigere lautet, wie viel Zeit es frisst. Wer einen Vollzeitjob hat, Kinder, einen Sportverein und einen Freundeskreis, muss etwas davon reduzieren. Das ist keine angenehme Erkenntnis, aber eine ehrliche.

Wie das im Schichtbetrieb aussieht, zeigt ein Erfahrungsbericht darüber, wie Markus T. neben dem Schichtdienst ein realistisches zweites Standbein fand. Der Bericht macht deutlich, dass der Aufbau in Wellen verlief. Wer das vorher weiß, wertet eine schlechte Woche nicht als Scheitern.

Was nach sechs Monaten davon bleibt

Nach vier Wochen ist fast jeder motiviert. Aussagekräftig ist der Blick nach einem halben Jahr. Ein Test mit echten Ergebnissen nach sechs Monaten geht dieser Frage nach und beantwortet auch, für wen sich der Aufwand nicht gerechnet hat.

Diese zweite Hälfte der Antwort ist die interessantere. Ein Angebot, bei dem angeblich alle erfolgreich sind, wäre nicht glaubwürdig. Realistisch ist ein Bild, in dem manche eine Tätigkeit aufbauen, manche sie als Nebenverdienst nutzen und manche merken, dass Gespräche mit fremden Menschen nichts für sie sind.

Der eigentliche Gewinn ist oft ein anderer

Auffällig an den Berichten ist, dass das Geld selten zuerst genannt wird. Häufiger geht es darum, dass der Feierabend wieder eine Richtung hat. Dass man etwas aufbaut, das einem gehört, auch wenn es klein ist. Und dass sich das Gefühl verändert, einem einzigen Arbeitgeber ausgeliefert zu sein.

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Das ist kein Werbeargument, sondern eine schlichte Beobachtung. Menschen, die neben dem Job etwas Eigenes betreiben, gehen anders in Gehaltsgespräche. Sie verhandeln ruhiger, weil ein Nein weniger existenziell wirkt.

Wenn man es prüfen will

Das Vorgespräch bei Lebensmodell kostet nichts. Wer es nutzt, sollte vorbereitet hineingehen und drei Dinge klären: Gesamtkosten und Zahlungsweise, den realistischen Zeitaufwand in den ersten acht Wochen und die Frage, was passiert, wenn danach keine Gespräche zustande kommen. Klare Antworten sind ein gutes Zeichen. Ausweichende Antworten sind ein besseres, denn sie ersparen die Entscheidung.

Wer merkt, dass die Sonntagabende schwerer werden, muss deswegen nichts kündigen. Aber es lohnt sich zu prüfen, ob der Feierabend etwas anderes vertragen könnte als die nächste Serie.